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Konpa sax

Geschichte des Compas Direct

Wie entstand Compas Direct? Was hat den haitianischen Compas Direct beeinflußt. Und wie hat sich Compas weiter entwickelt.

Das musikalische Umfeld

Anfang bis Mitte der 50er Jahre war in den Städten spanische (kubanische und dominikanische) Musik en vogue. Dem gegenüber gab es die vielen alten haitianischen, teils komplizierten Tanzrhythmen. In dieser Bandbreite bewegten sich die zeitgenössischen, haitianischen Bands.
  Eine prosperierende Phase in der karibischen Musik. Tourismus in die Karibik wurde für mehr Leute erschwinglich. Über Tonträger in größerer Stückzahl und Radio gab es zum ersten Mal einen Multiplikator zu einem breiten Publikum, zu variablen Zeiten, auch außerhalb Haitis.
 

Die Entstehung von Compas Direct

Das war der Moment, in dem Nemours Jean-Baptiste im Jahre 1955 den musikalischen Schritt vom Twoubadou hin zu Tanzmusik mit einem eigenen Orchester wagte (Conjunto International, Ensemble aux Calebasses). Er begann haitianische Musik zeitgenössisch zu interpretieren, zu arrangieren und damit zu experimentieren. Sie spielten regelmäßig im Cabane Choucoune Night Club. Das Repertoire bestand aus ganz verschiedenen Rhythmen (Bannann Pouyak, Grenn Moudong, Ibo, Méringue Lente, Contredance, Guaracha, Bolero... ), während das Timbre des Orchesters gleich blieb.
The Sensation Of The Day Im Jahre 1958 tauchte zum ersten Mal eine Rhythmusstruktur auf, die sich in ihrer Basis nicht mehr stark änderte. Im Jahre 1958 tauchte auch zum ersten Mal der Name Compas Direct am Ende eines Stückes auf. Die neue Song-Formel erwies sich als erfolgreich beim Publikum. Ab diesem Moment wurden seine Musik als Compas Direct vermarktet und fand schnell Verbreitung im ganzen Land.
Compas Direct – Es ist die 5-3 Formel für die Compas-Perkussion. Auf fünf Schläge auf die große Trommel (Tanbou) folgen drei Takte (zwei Bass-Schläge mit einem Tam-Tam Schlag dazwischen). Parallel flankiert vom hellen Klang der Graj sowie den zwei Off-Beat-Instrumenten Tchatcha und Kloch. Das treibende Herzstück der Rhythmusgruppe ist die Tanbou (son poto mitan).
  Nemours Jean-Baptiste begann mit Tanbou (große Vodou Trommel), Kontrabaß, Tchatcha (Maracas), Graj (Guiro), Accordeon, Bläsern. Er baute die Musik und sein Orchester im Laufe der Jahre immer weiter aus, Timbales, große Glocke (Kloch), kleine Glocke (mit Timbales), Floor-Tom (Tam-Tam), Elektrische Gitarren, Orgeln, Schlagzeug... Arrangements und Perkussion des Compas Direct wurden auf diese Weise immer weiter perfektioniert.   /   Rhythmus (1967)

Einflüsse Mitte der 50er Jahre

Nemours Jean-Baptiste sagte oft: «Konpa dirèk la se yon Grenn Siwèl.»
Der wichtigste äußere Einfluß auf die Entstehung von Compas Direct war der musikalische Zeitgeist, das Bedürfnis des aufstrebenden Publikums Mitte der 50er Jahre.
Nemours Jean-Baptiste Auf diese Weise war vermutlich auch der Erfolg des dominikanischen Merengue eine Inspiration. So waren die Orchester zu Beginn ähnlich instrumentiert (Sound). Die Struktur auf der Tambora im Merengue weist eine gewisse Parallele zur Tanbou im Compas Direct auf – die Adaption fällt durch eine Pausierung so gravierend aus, daß dadurch ein ganz anderer Groove entsteht. Der Einfluß ist zugleich seine Trennung.
Die Wurzel für die Entstehung von Compas Direct ist der musikalische Hintergrund der Musiker, ihre musikalische Prägung. Im frühen Compas Direct, in den Arrangements gibt es viele Parallelen zu Twoubadou (Grenn Siwèl). Rhythmik und Perkussion kann man als eine Transformation alter Gewohnheiten in moderne, populäre Bedürfnisse sehen. Die vielen synkopischen Vodou Rhythmen sind ein weites Feld der musikalischen Erfahrung und Inspiration.
  Es gibt viele alte Tonaufnahmen von Nemours Jean-Baptiste (Studio und live). Wenn man genau hinschaut, es gab keinen genauen Anfang, keine spontane Dominanz in seinem Repertoire. Die Entwicklung von Compas Direct war ein Prozeß, der sich über ein paar Jahre hinzog. Die Ausreifung von Compas Direct gewann im Laufe der Zeit an Dynamik. Compas Direct wurde zu einem neuen Rhythmus, zu dem es keinen unmittelbaren Vorläufer gab.

Compas entwickelte sich weiter

Es entstanden verschiedene Arten von Compas. Vieles geschah parallel. Wenn man Compas erfassen möchte, muß man vieles einbeziehen und differenzieren.
In einem Land wie Haiti mit bewegter Umgebung unterliegt die populäre Musikkultur auch immer äußerem Druck. Compas mußte sich für seinen Fortbestand immer wieder selbst beweisen. Compas besteht aus einer festen Struktur, die weiter gereicht wurde, die an Komplexität intuitiv zunahm.
Im Zusammenhang mit Generationswechseln der Musiker, unter ausländischen Musikeinflüssen (bspw. Radio) und unter generellen Zeitgeist-Perioden entstanden die großen Entwicklungsschritte im Compas. Die wichtigen musikalischen Änderungen traten in Wellen auf. Für neue Compas-Formen wurde der Name Compas aus einer Selbstverständlichkeit heraus immer beibehalten.
Es gab äußere Einflüsse auf einzelne Gruppen. Es gab äußere Einflüsse auf einen Bereich von Compas, die über einen gewissen Zeitraum populär waren. Und es gab andere Einflüsse, die in Compas aufgingen, ohne daß man sie nachweisen kann.
Die bedeutsamsten Schritte in der Entwicklung sind:
Die Nouvel Jenerasyon Bands entwickeln sich klanglich im Laufe der 90er Jahre hin zu Djaz nòmal. Die Digital Bands verschwinden Anfang der 2000er Jahre. Djaz nòmal bestimmt fortan die Formate.
Die Digitalisierung des Musikkonsums und eine Internationalisierung des Musikgeschmackes erhöhen den Druck auf Compas-Kompositionen, alles aus dem Format zu holen und dabei live-tauglich (Bal) zu bleiben.
Compas klingt alle 10 Jahre anders.
  Konpa – das ist Compas 
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  Rhythmus 
 Quellennachweis... 
Konpa Encyclopedia / Jean Claude Vievens, Trafford 2008
Panorama Histoire Musique Haitienne / Jean Jean-Pierre, SDQ 2012
La Face Cachée Du Compas Direct / Serge Rosenthal, 2015
My Musical Journey & Les Shleu-Shleu / Smith Jean-Baptiste, 2015


Autor: Fedor Hüneke   
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